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Episches Kino: Christopher Nolan singt Homers Odyssee neu

Monumentale Bilder sind nur die Oberfläche. Die eigentliche Stärke von Nolans Homer-Verfilmung entfaltet sich erst nach dem Abspann.
/ Daniel Pook
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Filmposter von Die Odyssee (Bild: Universal Pictures)
Filmposter von Die Odyssee Bild: Universal Pictures
Inhalt
  1. Episches Kino: Christopher Nolan singt Homers Odyssee neu
  2. Weniger Spektakel, mehr Mythos
  3. Warum der Film erst nach dem Abspann wirkt
  4. Die Schwächen einer großen Verfilmung

Christopher Nolan hat sich an einen der einflussreichsten Stoffe der Weltliteratur gewagt: Homers Odyssee. Erwartet wurde nicht weniger als ein Meisterwerk – und alle Vorzeichen schienen genau das zu versprechen. Schließlich ist es der erste Langfilm überhaupt, der komplett mit 70-mm-Imax-Kameras gedreht wurde: zwei Stunden und 52 Minuten lückenlos im Bildformat 1.43:1, ausgelegt auf die größten Kinoleinwände.

Dass Nolan ausgerechnet die Odyssee(öffnet im neuen Fenster) verfilmt, überrascht kaum. Homers antikes Epos, das an die Ilias(öffnet im neuen Fenster) anknüpft und wahrscheinlich aus dem 8. Jahrhundert vor Christus stammt, gilt als eine der meistadaptierten Erzählungen der abendländischen Kultur. Die Irrfahrten des Odysseus wurden zum Prototyp der Heldenreise, nach deren Grundzügen bis heute unzählige Filme, Romane und Videospiele erzählt werden. Die erste kommerzielle Spielkonsole, ein Assassin's-Creed-Ableger, Stanley Kubricks Science-Fiction-Klassiker 2001 und sogar eine Marssonde tragen die Odyssee im Namen – meist in englischer Schreibweise.

Auch Nolans bisherige Filmografie ist von Figuren geprägt, die an Odysseus erinnern: Männer, die ihre Grenzen überschreiten, um zu ihrer Heimat oder zu ihren Familien zurückzukehren. Und Männer, die sich am Ende nicht mehr als Helden sehen, sondern gezeichnet von ihrem Weg und ihren Fehlern weiterleben müssen.

Mit seiner Odyssee hat Nolan nicht nur seine Schauspieler an Grenzen gebracht, sondern tatsächlich ein faszinierendes Werk geschaffen, das die Zeit überdauern wird.

Die Odyssee (Filmtrailer)
Die Odyssee (Filmtrailer) (02:32)

Kein Studio, sondern echtes Abenteuer

Odyssee-Schauspieler berichteten in Interviews von den herausforderndsten Dreharbeiten, die sie je erlebt haben. Anstatt sie vor Greenscreens oder im Volume-Studio so tun zu lassen, als wären sie auf Seefahrt, hat Nolan seinen Cast im echten Meer auf Holzschiffen(öffnet im neuen Fenster) zu Wasser geschickt. Er saß selbst mit der riesigen, schweren Imax-Kamera mit an Bord oder fuhr mit der restlichen Crew und Kamerakränen nebenher.

Anstatt die Höhle des Zyklopen, aus einer der wohl bekanntesten Szenen der Odyssee, in einem Studio nachzubauen, ließ Nolan die reale Nestorhöhle in Griechenland(öffnet im neuen Fenster) als Filmset ausstatten und packte den einäugigen Riesen Polyphem als lebensgroße Animatronic-Puppe(öffnet im neuen Fenster) mit rein.

Die Odyssee zu verfilmen, wurde für alle Beteiligten zur eigenen, real erlebten Odyssee – und aufgrund dieses Aufwands auch zu unserer im Kino. Noch nie wurde dieser Stoff so glaubwürdig bearbeitet. Nicht einmal werden wir durch den Gedanken abgelenkt, gerade nur Leute vor einem unechten Hintergrund zu sehen oder bloß als computergenerierte Figuren, sobald wir uns nicht mehr in einer Nahaufnahme befinden.

Fantastischere Elemente, etwa Verwandlungen von Menschen in Tiere oder eben der Zyklop, sind durch die Szenenkompositionen so effektiv ins Bild eingebunden, dass unterstützende Computereffekte nicht störend hervorstechen, sondern eher ein Gefühl von Faszination für das Gezeigte entsteht. Mit dem scharfen 70-mm-Look und einer ästhetisch stilvoll gewählten Farbpalette – nie zu bunt, aber auch nicht langweilig farblos – wird diese moderne Odyssee als visuelles Erlebnis noch lange in die Zukunft perfekt altern.

Was Zuschauer andererseits nicht erwarten dürfen, ist ein andauerndes Effektgewitter.


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